Maria Julia Freitag

Experte bei

"Wir wollen langfristige Geschäftsbeziehungen zu Startups aus der Energiebranche aufbauen."

Interview mit Maria Julia Freitag, Portfoliomanagement & Scouting bei E.ON :agile

1. Erzähl uns etwas über dich: Wie war dein Weg in die Welt der Startups? Was ist deine Rolle im Programm?

Mit dem Thema „Innovation in der Energiebranche“ habe ich mich damals bereits im Zuge meiner Masterarbeit beschäftigt und fand das Thema super spannend, insbesondere wenn es um die Frage und Diskussion rund um die Innovationsfreudigkeit großer Energiekonzerne ging. Bei :agile habe ich 2017 angefangen und hatte dann die Möglichkeit, als Projektmanagerin ein Startup rund um das Thema „Smart Home“ innerhalb des :agile accelerator Programms voran zu treiben, bevor ich dann das Scouting und Portfoliomanagement für :agile übernehmen durfte. Hier verantworte ich die Auswahl der Startups, gehe auf für uns passende Events, um neue Ideen kennenzulernen, screene in einer ersten Runde die Bewerbungen, diskutiere diese in unserem Team und begleite die Startups von da an, durch unser Launchpad hin zur Acceleration und bestenfalls bringen wir gemeinsam einen Piloten auf die Straße.

2. Was genau ist :agile? Wieso bietet E.ON ein solches Programm an?

:agile ist der Corporate Accelerator von E.ON mit Sitz in Berlin, Düsseldorf und Essen. Wir bieten ein dreimonatiges Programm an, welches durch 22k€ sowie Workshops und Mentoring unsererseits begleitet wird. Als „Bottleneck“ zu innovativen Geschäftsfeldern aus der Energiewelt verfolgen wir für und mit E.ON das langfristige Ziel, stetig neue Business Models für E.ON zu generieren und damit eine langfristige Geschäftsbeziehung zu Startups aus der Energiebranche aufzubauen.

3. Wer kann sich für das Accelerator-Programm bewerben?

Bewerben kann sich grundsätzlich jeder, der ein Geschäftsmodell im Energiebereich entwickelt hat bzw. vorantreiben möchte. Das heißt, alles rund um die Themen Smart Home Solutions, Mobilty, erneuerbare Energien in Verbindung mit loT, AI, Machine Learning, Blockchain und Smart Grids, sind interessante Fokusfelder für uns.

4. Was können Startups erwarten? Wie kann man sich die Zeit im Programm vorstellen?

Wie bereits erwähnt, ist unser dreimonatiges Programm neben der finanziellen Unterstützung mit Workshops gefüllt, zum Beispiel zu den Themen „Business Model Canvas“, „UX/UI“, „Growth Marketing“ und „Stage Training“. Hier arbeiten wir eng mit Trainern aus unserem Startup-Netzwerk zusammen. Die Teams haben außerdem die Möglichkeit, intern von E.ON Kolleginnen und Kollegen Feedback zu ihren Pitches zu erhalten oder auch die Weiterentwicklungen ihres Geschäftsmodells direkt zu präsentieren. Als :agile sehen wir es als eine unserer Hauptaufgaben, den Startups dieses Netzwerk zu ermöglichen. Denn am Ende brauchen wir das operative Business, um gemeinsam erfolgreiche Piloten aufzusetzen und unseren Startups einen erfolgreichen Wechsel von der Acceleratorphase in die Pilotingphase sicherzustellen. Das dreimonatige Programm endet mit einem Demo:Day, bei dem die Teams ihre Ergebnisse und Erfolge der letzten drei Monate vor einem Publikum aus der E.ON- und externen Startup-Welt pitchen. Im Anschluss daran entscheiden wir, mit welchem Startup wir einen Piloten starten wollen.

5. Welche persönlichen Voraussetzungen sollten die Teilnehmer mitbringen, um das Bestmögliche aus dem Programm rauszuholen?

Ein 100%tiges Committment ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, denn drei Monate sind keine lange Zeit, um eine Geschäftsidee wirklich nach vorne zu bringen. Außerdem sind die Offenheit für Feedback, Veränderungsbereitschaft und eine gewisse Frustrationsschwelle immer gut, denn es kommt immer mal vor, dass Teams auf ihrem Weg auch mal einen Schritt zurück gehen müssen. Was ich immer toll finde, ist die Begeisterungsfähigkeit der Teams. Zum einen, wenn ich spüre, wie sehr die Teams für ihre Idee brennen, aber auch, wie schnell sie sich durch externe Impulse begeistern lassen, ihr Geschäftsmodell nochmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und gegebenenfalls anzupassen.

6. Wonach sucht ihr die Teilnehmer aus?

Ist der grundsätzliche Bezug zur Energie und damit auch zur Strategie von E.ON gegeben, dann sind das Timing (warum ist genau jetzt die Zeit für Lösung XY), das Team hinter der Idee sowie die Skalierbarkeit des Business Models maßgebliche Kriterien, die wir bewerten. Zusätzlich ist es immer gut, wenn das Startup bereits gegründet hat, das heißt eine eingetragene Kapitalgesellschaft (GbR, UG, GmbH,…) besitzt, das Team aus mindestens einem Gründer und einem Teammitglied besteht und es einen Prototypen der Idee gibt. Um die Teams und ihre Idee vorab besser kennenlernen zu können, veranstalten wir dreimal im Jahr ein sogenanntes Launchpad, eine Art Bootcamp, bei dem es um das Produkt, UX/UI und die Marketingaktivitäten der Startups geht. Gemeinsam mit internen E.ON Kollegen aber auch externen Mentoren lernen wir immer sehr viel von – und mit – den Startups und haben nach drei Tagen eine gute Entscheidungsgrundlage, mit welchen Teams wir in die Accelerationphase gehen wollen.

7. Welche Tipps kannst du interessierten Gründern für die Bewerbung geben?

Was immer super hilfreich für uns ist, wenn die Startups direkt ein Pitch Deck mitschicken, denn dann können wir oftmals schnell ein erstes Feedback zu ihrer Idee geben und wir können schauen, ob das Geschäftsmodell zu uns passt. Ansonsten ist es super, wenn die Teams die bereits erwähnten Kriterien erfüllen, aber auch wenn nicht: Miteinander sprechen ist oft der beste Weg, um zu schauen, wie gut wir zusammenpassen können.

8. Welche Erfolgsgeschichte innerhalb des Programms hat dich besonders gefreut?

Alle Startups, die bei uns im Programm sind, stechen aus den unterschiedlichsten Gründen erfolgreich hervor und alle sind wirklich gut. Wir haben derzeit vier Teams in der Acceleratorphase, pilotieren mit über vierzehn Startups und haben ein Startup im Scaling. Besucht uns doch mal auf einem unserer Events, zum Beispiel dem monatlich stattfindenden #entech meetup, dass wir gemeinsam mit unseren Startups gestalten und das abwechselnd in Düsseldorf und unserem neuen Standort Essen stattfindet.

Vielen Dank für das Interview!