Odile Limpach

Experte bei

"Wir interessieren uns nicht nur für das Spiel, sondern auch für die Unternehmen."

Interview mit Odile Limpach, SpielFabrique

1. Erzähl uns etwas über dich: Wie war dein Weg in die Welt der Startups? Was ist deine Rolle im Programm?

Ich arbeite seit 20 Jahren in der Videospielbranche. Zuerst habe ich für Ubisoft Blue Byte gearbeitet und jetzt lehre ich Wirtschaft und Unternehmensgründung an der Cologne Game Lab der TH Köln. Ich habe mit Thierry Baujard SpielFabrique gegründet und ich bin jetzt ein Mentor für die Teams.

2. Was genau ist SpielFabrique und was ist das Besondere an dem Programm?

SpielFabrique ist ein Startup-Accelerator, der zwei Schwerpunkte hat: Zunächst arbeiten wir nur im Bereich der Videogames, der Serious Games und der Virtual- und Augmented Reality. Außerdem sind wir ein deutsch-französischer Accelerator, das heißt, unsere Teams und unsere Experten kommen aus Deutschland und Frankreich.

Warum haben wir diese Wahl gemacht? Deutschland und Frankreich haben eine interessante Komplementarität, nicht nur in ihren Ansätzen (in Frankreich z.B. Ästhetik, in Deutschland z.B. Technologie), sondern auch in ihren Finanzierungs- und Subventionssystemen. Wir haben beobachtet, dass es zum Beispiel in der Filmindustrie viele erfolgreiche Kooperationen zwischen Deutschland und Frankreich gibt. Leider gibt es in der Spieleindustrie noch kein ähnliches System.

Mit SpielFabrique haben wir zwei Ziele: die Begleitung und den Erflog der Videogames Startups verbessern und neue deutsch-französische Co-produktionen schaffen.

3. Wer kann sich für das Accelerator-Programm bewerben?

Unser Programm besteht aus mehreren Partner-Tracks z.B mit Arte Frankreich, NRW Film- und Medienstiftung usw. Für jeden Track machen wir ein Call for Projects mit speziellen Kriterien: für Unternehmen aus Deutschland oder Frankreich, für Studenten oder bestehende Start-ups, mit einer präzisen Technologie oder nicht… In allen Fällen suchen wir professionelle Game-Studios mit innovativen Spielideen und dynamische Teams.

4. Was können Startups erwarten? Wie kann man sich die Zeit im Programm vorstellen?

Die neun Monate im SpielFabrique-Programm bestehen aus einer regelmäßigen Online-Unterstützung und aus mehreren Höhepunkten. Mit meinem Kollegen Thierry geben wir Ratschläge und vermitteln Kontakte, das Ganze nicht nur über das Spiel, sondern auch über die Business- und Development Strategie der Unternehmen.

Alle Teams treffen sich während unserer on-site Workshops (drei jedes Jahr). Vormittags gibt es theoretische Präsentationen und Case Studies und nachmittags One-to-One Gespräche zwischen den Teams und Experten. Wir arbeiten an verschiedenen Themen, zum Beispiel Vermarktung, Monetization, Produktion usw. Außerdem organisieren wir Online-Experten-Runden: Damit können die Teams ihr Netzwerk noch vertiefen.

Schließlich nehmen unsere Teams an unterschiedlichen Events teil. Neben der Gamescom in Köln (das größte Game-Event in Europa), sind wir auf der Quo Vadis (Berlin Games Week) oder in Paris auf der Games Connection.

5. Welche persönlichen Voraussetzungen sollten die Teilnehmer mitbringen, um das Bestmögliche aus dem Programm rauszuholen? Wonach sucht ihr die Teilnehmer aus?

- Offen und neugierig sein: Als deutsch-französischer Accelerator organisieren wir mehrere Treffen mit Menschen aus unterschiedlichen Nationalitäten. Jeder kann für dich etwas beitragen!

- Feedback annehmen: Unternehmensgründung ist natürlich etwas sehr Persönliches und ein Team muss ein eigenes Ziel für die Zukunft haben. Trotzdem ist auch sehr wichtig, die Meinung der Mentoren und der Experten zu hören und zu bedenken.

- Ehrgeiz: Die Gründung eines Unternehmens ist ein großes Abenteuer. Der Erfolg braucht einen starken Willen und Durchhaltevermögen.

- Ein Spiel: Natürlich ist das Spiel ein sehr wichtiger Punkt: Was ist euer Projekt? In welche Ästhetik-, Technologie- und narrative Richtung geht ihr?

6. Welche Tipps kannst du interessierten Gründern für die Bewerbung geben?

Wir interessieren uns nicht nur für das Spiel, sondern auch für die Unternehmen! Wer sind die Team-Mitglieder, warum möchtet ihr zusammen ein Unternehmen gründen usw. Es ist auch wichtig, direkt im Pitch-Deck einen Business-Plan oder zumindest ein Budget zu präsentieren. Damit können wir wissen, wie präzise eure Einschätzung der Zukunft eures Unternehmens ist. Und natürlich möchten wir euer Spiel kennenlernen! Dabei ist ein Mood-Video oder ein Extract des Spiels immer ein Plus!

7. Welche Erfolgsgeschichte innerhalb des Programms hat dich besonders gefreut?

Unsere ersten Teams waren sehr erfolgreich und haben jetzt mehrere Preise gewonnen: Ludopium mit den A MAZE. Publik Preis, oder Darjeeling und sein Spiel Homo Machina hat den Preis für das Beste Videospiel mobile während der Gameconnection America 2018 gewonnen. Aber was wir am Ende suchen, ist nicht eine Auszeichnung, sondern ein schönes Projekt, das vom Konzept bis Vermarktung sein Ziel erreicht hat.

Vielen Dank für das Interview!