Jörn Berlin

Experte bei

"Wir achten auf ausgewogene Teams mit technischer und betriebswirtschaftlicher Expertise."

Interview mit Jörn Berlin, Hub Manager Digital Hub münsterLAND

1. Erzähl uns etwas über dich: Wie war dein Weg in die Welt der Startups? Was ist deine Rolle im Programm?

Das erste Mal gegründet habe ich schon in der Ausbildung. Damals haben wir hauptsächlich Produkte aus den USA importiert, die es in Deutschland nicht gab. Später haben wir dann angefangen, eigene Produkte zu entwickeln und für den Kunden individuell zu gestalten. Dem E-Commerce bin ich seitdem immer treu geblieben. Mittlerweile fokussieren wir uns aber eher auf technische Lösungen, die den Onlinehandel für Kunden und Händler verbessern. Während meiner Masterarbeit habe ich mich dann intensiv mit dem Thema der Bewertung von Startups durch Venture Capitalists beschäftigt. Im Digital Hub bin ich verantwortlich für die Startups und die finanziellen Themen. Dazu gehört auch das Accelerator-Programm.

2. Was genau ist der Digital Hub münsterLAND und was zeichnet euer Accelerator-Programm aus?

Der Digital Hub münsterLAND ist Teil des Vereins münsterLAND.digital e.V. Der Verein hat mittlerweile über 140 Mitgliedsunternehmen aus dem münsterländischen Mittelstand und hat es sich zum Ziel gesetzt, die digitale Transformation im Mittelstand voranzutreiben und das Ökosystem für digitale Startups zu erweitern. Durch die enge Verbindung mit dem Mittelstand versuchen wir vor allem Schnittstellen zu finden, bei denen die Startups von den Mittelständlern profitieren können und umgekehrt. Dies kann z.B. durch Kooperationen, Know-How-Austausch oder Investitionen geschehen. In dem viermonatigen Accelerator-Programm versuchen wir insbesondere die Startups darauf vorzubereiten und gezielt mit den passenden Mittelständlern zu vernetzen.

3. Was können Startups erwarten? Wie kann man sich die Zeit im Programm vorstellen?

Während des Accelerator-Programms haben Startups die Möglichkeit, unseren Coworking Space in Münster am Hafen zu nutzen. Dort arbeiten neben Startups und digitalen Unternehmen auch die Innovationsmanager aus dem Mittelstand. Auf unseren internen und öffentlichen Veranstaltungen besteht somit über die gesamte Laufzeit die Möglichkeit, mit den richtigen Personen ins Gespräch zu kommen. Zudem nehmen wir die Startups mit auf Pitch-Events und konnten in der Vergangenheit viele Startups in die Presse oder das lokale Fernsehen bringen. Durch gezieltes Mentoring bereiten wir die Startups auf den Demotag vor, der am Ende der Laufzeit stattfindet. Hier haben die Startups die Möglichkeit, sich dem Mittelstand vorzustellen.

4. Welche persönlichen Voraussetzungen sollten die Teilnehmer mitbringen, um das Bestmögliche aus dem Programm rauszuholen?

Um vom Digital Hub münsterLAND Accelerator zu profitieren, sollten die Teilnehmer offen für Kooperationen und den Austausch mit anderen Gründern und Mittelständlern sein. Die besten Erfahrungen konnten Gründerteams haben, die auch häufig im Digital Hub gearbeitet haben. Dies ist zwar nicht Voraussetzung für die Teilnahme am Programm, der Austausch und die Vernetzung sind aber wesentlich einfacher. Startups oder Gründerteams sollten zudem möglichst schon einen vorzeigbaren MVP erstellt haben oder kurz vor der Fertigstellung stehen. Hier können wir am besten anknüpfen.

5. Wonach sucht ihr die Teilnehmer aus?

Die Startups bewerben sich über unsere Website über ein einfaches Formular. Hier werden insbesondere die drei Kriterien Markt, Produkt und Team abgefragt und bewertet. Wir achten dabei auf ausgewogene Teams mit technischer und betriebswirtschaftlicher Expertise, denen wir von verschiedenen Seiten spezifischen Input geben können. Wer mit seinem Summary überzeugen kann, wird zum Auswahlpitch eingeladen. Hier entscheidet eine Jury aus unabhängigen Branchenexperten über die finale Auswahl. Interessant sind für uns in der Regel die Teams, bei denen wir konkrete Schnittstellen zu unseren mittelständischen Stakeholdern sehen.

6. Welche Erfolgsgeschichte innerhalb des Programms hat dich besonders gefreut?

Ich freue mich über jedes Startup, das den product market fit erfolgreich evaluiert und am Markt wächst. Ein schönes Beispiel, wie wir uns die Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Startups vorstellen, ist die Firma Clockin. Auf der Suche nach einer Anwendung für die digitale Zeiterfassung von Installateuren und Handwerkern hat ein mittelständischer Unternehmer aus dem Mittelstand festgestellt, dass es hier noch keine Lösung gibt. Zusammen mit einem Startup erstellten sie zunächst einen MVP, den sie selber nutzten. Schnell wurde das Produkt weiterentwickelt und es wurden auch externe Kunden akquiriert. Während der Zeit im Accelerator konnte der Kontakt zu weiteren Kunden und Investoren hergestellt werden. Clockin war damit mehrfach im Fernsehen und hat zudem den Preis der Digitalen Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen gewonnen, der von Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Pinkwart vergeben wurde.

Vielen Dank für das Interview!