Dirk Sander

Experte bei

"Gesellschaftliche Herausforderungen sind die Rohstoffe für Innovationen."

Interview mit Dirk Sander, Managing Director & Co-Founder von Anthropia

1. Anthropia ist eine neue Adresse für Startups in NRW. Was und wer steckt dahinter und wie kam es zur Gründung der Initiative?

Die gemeinnützige Anthropia GmbH ist ein Denk-, Dialog und Handlungsraum zur Förderung von sozialen Innovationen. Unser Haus auf dem Haniel-Campus in Duisburg-Ruhrort ist seit 2015 die Adresse für Gründer*innen in NRW, die etwas bewegen wollen; bis Ende 2018 bekannt als das Social Impact Lab Duisburg.

Nun haben mein Partner Oliver Kuschel und ich Anthropia gegründet, um hier auf dem wunderschönen Campus eines der ältesten Familienunternehmen Deutschlands einen Hotspot für den Gesellschaftsdialog mit relevanten Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft zu schaffen.

2. Gemeinsam mit anderen Partnerinnen und Partnern habt ihr die Impact Factory ins Leben gerufen, ein Förderprogramm für Startups. Was hat es damit auf sich?

Gesellschaftliche Herausforderungen sind die Rohstoffe für Innovationen. Diese Einsicht bewegt heute eine neue Generation von Gründer*innen und Unternehmer*innen. Und genau diese finden in der Impact Factory einen inspirierenden Ort für die Vernetzung. Außerdem bietet die Impact Factory ein professionelles Unterstützersystem, das ihnen ermöglicht, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, von dem sie auch leben können und sollen. Hierfür hat die Anthropia gGmbH gemeinsam mit den Gründungspartnern Beisheim Stiftung, Franz Haniel & Cie GmbH, KfW Stiftung und den Programmpartnern Der Paritätische NRW und Wilo Foundation ein neues Qualifizierungskonzept entwickelt, das in der Impact Factory erstmals umgesetzt wird.

3. Wer kann sich für das Inkubator-Programm bewerben?

Die Impact Factory steht für neue Maßstäbe in der Ausbildung: Sie unterstützt ausgewählte, besonders vielversprechende Start-ups, die gesellschaftliche oder ökologische Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen möchten.

4. Was können Startups erwarten? Wie kann man sich die Zeit im Programm vorstellen?

In einer individuell auf die Teilnehmenden zugeschnittenen Qualifizierungsmaßnahme werden die Teams über zwölf Monate intensiv begleitet: Erfahrene Coaches und Mentor*innen, Referent*innen und Expert*innen nehmen Jung-Unternehmer*innen aber auch Neustarter*innen mit Berufserfahrung an die Hand und unterstützen in Seminaren, Workshops sowie durch individuelles Coaching. Ob Brainstorming zur Vermarktung, Dialog zum Businessplan oder ein regelmäßiger Austausch zum Projektfortschritt – die Teilnehmenden profitieren von Know-how, Netzwerk und wertvollen Erfahrungen.

5. Welche persönlichen Voraussetzungen sollten die Teilnehmenden mitbringen, um das Bestmögliche aus dem Programm rauszuholen?

Zusätzlich zur traditionellen Unternehmer*in bringt der*die Social Entrepreneur ein starkes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft und den sozialen Auswirkungen seines*ihres Handelns mit. Kreativität und Belastbarkeit, sowie die Bereitschaft Neues zu entdecken und zu gestalten zählen zu seinen*ihren wesentlichen Eigenschaften. Oft ist eine persönliche Betroffenheit Antrieb, das Problem zu lösen, auch und vor allem dann, wenn andere nicht daran glauben. Nach John Elkington ist es die „power of unreasonable people (who) create markets that change the world“.

6. Wonach sucht ihr die Teilnehmenden aus?

Hauptkriterien sind Persönlichkeit der Gründer*innen, Teamzusammensetzung, Relevanz und Verständnis des gesellschaftlichen Problems und bis zu einem gewissen Grad auch der Innovationsgrad der Lösung.

7. Welche Tipps kannst du interessierten Gründern für die Bewerbung geben?

Stellt eure Motivation heraus und macht deutlich, warum gerade ihr die richtigen seid, das Problem zu lösen.

8. Was wünschst du dir für eure Initiative und Startups in NRW?

Ziel ist, einen Grundstein für eine nachhaltige Gründung durch Teams zu legen, die sich am Markt behaupten können, erfolgreiche Produkte hervorbringen und somit Leuchttürme in der Region schaffen. Denn nicht nur der gesellschaftliche, sondern auch der wirtschaftliche Mehrwehrt von Sozialunternehmen ist außerordentlich. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey löst heute jede dritte Gründung gesellschaftliche Herausforderungen. Schätzungen gehen von einem volkswirtschaftlichen Potenzial in Milliardenhöhe aus. Social Entrepreneurs sind der „Riss im Beton“ des Turbo-Kapitalismus.

Vielen Dank für das Interview!