Clemens Henle

Experte bei

"Ganz nach dem Vorbild des Silicon Valleys geht es darum, Spitzentechnologie, Unternehmertum und Kapital zusammenzuführen."

Interview mit Clemens Henle, Magmatic Ventures und Initiator des Cognigy-Magmatic-Accelerators

**1. Erzähl uns etwas über dich: Wie war dein Weg in die Welt der Startups? **

Direkt nach meinem MBA an der Harvard Business School 1999 hatte ich ein Startup für Arzneimittel E-Commerce in München gegründet. Auch weitere Anstöße für Startups kamen für mich aus den USA: Craigslist, Facebook und weitere Social Media- oder E-Commerce-Portale. Auch meine Studienkontakte der Stanford University haben mich immer wieder auf meinen Weg durch die Welt der Startups begleitet.

2. Was ist Magmatic Ventures?

Magmatic Ventures ist eine Venture Capital-Firma, die in disruptive, digitale Startups investiert und Gründer mit Rat und Tat unterstützt. Wir sind ein bisschen auch noch selbst Startup: Der erste Fond befindet sich noch im Aufbau, sodass wir nur kleine Investitionen tätigen – ideal für diesen Accelerator.

3. Welche Erfolgsgeschichte eines von euch finanzierten Startups hat dich besonders gefreut?

Wir haben bisher nur in das Startup Me@ von dem israelischen Unternehmer Shay Rapaport eine kleine Investition getätigt: Über den Service wird dem User ermöglicht, seine bei vielen Webportalen gespeicherten persönlichen Daten zu verwalten und zu schützen. Wir sind stolz darauf, etwas für Datenschutz und Privatsphäre zu entwickeln. Außerdem vermitteln wir Startups an geeignete Investoren. Es freut mich immer, wenn ich ein Startup mit einem interessierten VC oder Business Angel vernetzen kann.

**4. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Cognigy und dem Entschluss, ein gemeinsames Accelerator-Programm zu initiieren? **

Ich habe das Team Cognigy auf einer Pitch-Veranstaltung kennengelernt und war sofort begeistert. Cognigy ermöglicht, mit seinem Conversational AI ganz neue, revolutionäre Geschäftsmodelle aufzubauen. Solche Chancen werden selten von etablierten Unternehmen realisiert, sondern benötigen ganz neue Strukturen. Da liegt die Chance für den gemeinsamen Accelerator. Ganz nach dem Vorbild des Silicon Valleys geht es darum, Spitzentechnologie, Unternehmertum und Kapital zusammenzuführen.

5. Welche persönlichen Voraussetzungen sollten die Teilnehmer mitbringen, um das Bestmögliche aus dem Programm rauszuholen?

Das Startup muss auf jeden Fall ein tragfähiges, auf Conversational AI bezogenes, skalierbares, digitales Geschäftsmodell und gegebenenfalls eine eigene Produktentwicklung verfolgen. Die Implementierung von Cognigy.AI in das Produkt des Startups ist Voraussetzung.

Teilnehmen können sowohl erfahrene Startups als auch Startups in der frühen Gründungsphase. Startups in der Gründungsphase sollten Idealer Weise konkrete Konzepte oder einen ersten Prototypen vorweisen können, Umsätze müssen aber noch nicht zwingend vorhanden sein. Erfahrene Startups sollten sich bewerben, wenn sie Conversational AI als wichtige Zusatzkomponente zum bestehenden Geschäft einsetzen wollen.

In jedem Fall darf das Startup nicht älter als drei Jahre sein, muss seinen Sitz in Deutschland haben und über ein starkes Gründerteam verfügen, ggf. mit Tech-Background. Des Weiteren sollte eine ausreichende Eigenfinanzierung der eigenen Aufwendungen während des Programms nachgewiesen werden können.

Der Auswahlprozess von Magmatic Ventures und Cognigy beinhaltet die Präsentation eines tragfähigen Konzeptes für ein hochskalierbares Geschäftsmodell.

6. Welche Tipps kannst du interessierten Gründern für die Bewerbung geben?

Die Bewerbung sollte darstellen, wie die Möglichkeiten der Conversational AI zu einem neuen Geschäftsmodell genutzt werden. Gründer sollten mutig sein und Ideen um die Ecke weiterdenken. Wenn in der Bewerbung Waage und Kühlschrank mit dem PKW reden, der dann dem User sagt, dass es für die Gesundheit besser ist, das Fahrrad zu nutzen, dann ist es genau richtig. Wenn sich Gründer z.B. ganz neue Sprachformen oder akustische Smilies für Sprachassistenten ausdenken, dann wird es spannend.

7. Welchen Eindruck hast du von der Startup-Szene in Düsseldorf und im Rheinland? Was würdest du dir noch wünschen?

Es wird durchaus erkannt, dass künstliche Intelligenz die Schlüsseltechnologie der Zukunft ist. Im Handelsblatt war kürzlich zu lesen, dass wir bald hauptsächlich mit Sprachassistenten kommunizieren. Gleichzeitig wird viel getan für die Startup-Szene in Düsseldorf, Rheinland und Europa. Dennoch ist die Szene tendenziell pessimistisch, dass Europa bei der KI-Entwicklung weit hinter USA und China bleibt. Dabei hat Europa eigentlich mehr technische Hochschulabsolventen als die USA. Und das Netto-Privatvermögen der Deutschen sinkt sogar, weil Versicherungen, Pensionskassen und Haushalte Geld zu null Zins anlegen. Es müssen mehr Wege für Wagniskapital geschaffen werden um in Startups zu investieren. Hemmungen, wie die geringe Vernetzung von Kapital, Gründern und KI Technologie, sind zu beheben. Daran wollen wir bei Magmatic Ventures mit diesem Accelerator etwas ändern.

Vielen Dank für das Interview!